VON WITTEN

Castrop war um die Jahrhundertwende eine aufstrebende Industriestadt. Ein wichtiger Motor der Wirtschaft war die Zeche Erin, die seit 1867 Kohle förderte. Ihr Anschlussgleis zur Köln-Mindener-Eisenbahn wurde vom 1. Dezember 1874 an als Teil der sogenannten „Emschertalbahn“ auch für den allgemeinen Güterverkehr und den Personenverkehr genutzt.

Einen Eisenbahnanschluss hatte die heutige Stadt Castrop-Rauxel bereits seit 1847. Damals wurde die Köln-Mindener-Eisenbahn in Betrieb genommen. Sie richtete einen Haltepunkt in Rauxel ein, aus dem sich der heutige Hauptbahnhof entwickelte.

Ein weiterer Bahnhof – Castrop – wurde 1886 im Verlauf der Emschertalbahn eröffnet. Er lag an einer Stichstraße der damaligen Gaswerkstraße. Heute befinden sich auf dem Gelände die Sekundarschule Süd und die Dammstraße. Der Eisenbahn-Haltepunkt wurde Anfang der 1960er-Jahren an den Bahnübergang in der Münsterstraße verlegt.

Das Beitragsbild (Postkarte ohne Verlagsangabe – Sammlung Ludwig Schönefeld) des Zechenbahnhofs Erin und der Kokerei erschien Anfang der 1920er-Jahre. Im Hintergrund sind der Ortskern von Castrop und die anschließenden Ruhrhöhen bei Langendreer und Witten zu sehen.

ZU KLEIN FÜR EINE EIGENE STRASSENBAHN

Für den Aufbau eines eigenen Verkehrsbetriebes war Castrop an der Wende zum 20. Jahrhundert zu klein. Deshalb bemühte sich das damals zum Landkreis Dortmund gehörende Amt Castrop in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden um ein modernes Nahverkehrsmittel.

Deshalb gestattete das Amt der am 13. Dezember 1898 in Witten gegründeten Märkischen Straßenbahn, über die Provinzialstraße eine Strecke nach Castrop zu bauen.

Am 22. April 1909 beteiligte sich die inzwischen gegründete Stadt Castrop als Gesellschafter an der Kleinbahn Bochum – Gerthe – Harpen. Sie änderte ihre Bezeichnung daraufhin in „Bochum-Castroper Straßenbahn GmbH“.

Die Bochum-Castroper Straßenbahn GmbH wurde am 15. Mai 1912 per Gesellschafterbeschluss zur Westfälischen Straßenbahn GmbH. Die an der Märkischen Straßenbahn beteiligten Städte und Gemeinden brachten ihr Unternehmen am 24. Mai 1912 in die Westfälische Straßenbahn ein. Nach ihrem Konkurs wurden Strecken und Betriebsmittel zum 1. Januar 1938 von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG übernommen.

Darüber hinaus war die Stadt Castrop am 16. August 1909 auch Gesellschafter der Straßenbahn Herne – Sodingen, die ihren Namen daraufhin in Straßenbahn Herne – Sodingen – Castrop änderte.

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