MÄRKISCHE STRASSENBAHN

Beginnend mit der Eröffnung von Straßenbahnlinien nach Bommern und Annen betrieb die Märkische Straßenbahn um die Jahrhundertwende den Aufbau eines weitläufigen Straßenbahnnetzes. Ziel der Gesellschafter war es, die Stadt Witten mit leistungsfähigen Verkehrsverbindungen mit dem umliegenden Ämtern und Gemeinden zu verbinden.

Von Lütgendortmund aus erreichte das Netz im Jahr 1901 über die Provinzialstraße das Amt Castrop. Ausgangspunkt war das Baulager der Märkischen Straßenbahn in Lütgendortmund. Es befand sich in Höhe der damaligen Wirtschaft „Kranefeld“. Später wurde es zum Depot Lütgendortmund ausgebaut.

Die Konzession für das neue Teilstück des Märkischen Straßenbahnnetzes hatten die zuständigen Landesbehörden am 23. Januar 1901 erteilt. Die polizeiliche Abnahme folgte am 27. Juni 1901.

Am 25 . August 1901 wurde die von Lütgendortmund aus vorangetriebene Verbindung für den öffentlichen Verkehr in in Betrieb genommen.

ENDSTELLE BÜRGERMEISTERAMT

Das neue Teilstück war 4,810 Kilometer lang. Es wurde mit der bereits existierenden Strecke Uemmingen – Werne – Kranefeld verknüpft und mit der internen Bezeichnung „Linie 5“ in Betrieb genommen. Vorläufige Endstelle war das Bürgermeisteramt in Castrop.

In Höhe der Endstelle befand sich der „Reichshof“. Der Hotel- und Restaurantbetrieb war eine der „ersten Adressen“ im Ort. Wir sehen ihn auf dem nachfolgenden Bild auf einer 1905 von Reinicke und Rubin in Magdeburg verlegten Postkarte (Sammlung Ludwig Schönefeld).

Vor dem Gebäude wartet der nach Langendreer-Nord ausgeschilderte Triebwagen 26 der Märkischen Straßenbahn. Fahrer und Schaffner genießen ihre Pause auf den Längsbänken. Die Fahrgäste müssen noch einen Moment bis zur Abfahrt warten.

In den Anfangsjahren wurde die Strecke im 20-Minuten-Takt befahren. In „Kranefeld“ wurde über die Linie 4 eine Direktverbindung zur Eisenbahn in Langendreer hergestellt. Wie die historischen Fotos belegen fuhren einige Wagen auch direkt von Castrop über Lütgendortmund nach Langendreer-Nord.

EINGLEISIGE STRECKENFÜHRUNG

Die eingleisige Strecke folgte der Provinzialstraße durch Bövinghausen, Merklinde und Obercastrop bis in das Zentrum von Castrop. Das Gleis lag zumeist auf der östlichen Straßenseite. Es gab insgesamt zehn, jeweils rund 60 bis 70 Meter lange Ausweichen: Wilhelmshöhe, Kranefeld / Baulager Lütgendortmund, Plesken, Villis, Rose, Hovemann, Katholischer Friedhof, Genderra, Rennplatz und Bürgermeisteramt Castrop.

Die Benennung der Ausweichen, die sich zum Teil bis heute erhalten hat, bezog sich auf lokale Landmarken oder nahe gelegene Gastwirtschaften. Mit der Einführung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr am 1. Januar 1980 wurde die Gepflogenheit, Haltestellen nach Gaststätten zu benennen, aufgegeben.

Das Beitragsbild zeigt die Endstelle am Bürgermeisteramt auf einer 1923 gelaufenen Postkarte (Verlag Hermann Lorch, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld). Links ist an den Balkonen der „Reichshof“ zu erkennen.

Weitere Impressionen aus den Anfangsjahren der Straßenbahn nach Witten vermitteln die historischen Ansichten in der Bildfolge.

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  • Fritz Köster, Wirt des "Reichshofs" war stolz auf die Straßenbahn-Endstelle vor der Tür.
    Verlag Heinrich Schmitz, Castrop - Sammlung Stadtarchiv Castrop-Rauxel