VON HERNE

1902 war in der Geschichte von Castrop-Rauxel eine Zäsur: Castrop, Obercastrop und Behringhausen schlossen sich zur neuen Stadt Castrop zusammen. Die westlichen Gemeinden Börnig, Sodingen und Holthausen gründeten das anfangs noch als „Börnig-Sodingen“ bezeichnete Amt Sodingen. Einen weiteren Amtsbezirk bildeten die Gemeinden Rauxel, Habinghorst, Merklinde und Frohlinde.

In der Folgezeit orientierte sich Börnig-Sodingen immer stärker in Richtung Herne: Dort gab es an der Bahnhofstraße ein wachsendes Zentrum mit attraktiven Geschäften und seit der Eröffnung der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft im Jahr 1847 eine gut ausgebaute Eisenbahnverbindung.

Bereits 1896 hatte sich der erste Bürgermeister der Stadt Herne, Hermann Schäfer (1848 – 1932) um eine Straßenbahnverbindung nach Sodingen und Börnig bemüht. Obwohl sein Plan innerhalb der Gemeinde und auch von den lokalen Gewerbetreibenden unterstützt wurde, scheiterte das Projekt: einige Landwirte waren nicht bereit, das für die Trassenführung erforderlich Land zur Verfügung zu stellen.

1904 griff Hermann Schäfer den Plan erneut auf. Inzwischen gab es bereits Straßenbahnverbindungen von Herne nach Bochum und Recklinghausen, die sich sehr gut entwickelt hatten. Und er war erfolgreich: Am 21. Juli 1905 stimmte die Herner Stadtverordnetenversammlung dem Plan zu. Auch das noch junge Amt Sodingen konnte für das Projekt gewonnen werden.

Am 1. August 1905 wurde die Straßenbahn Herne -Sodingen gegründet. Die Bauarbeiten für die Strecke wurden umgehend aufgenommen.

Die sechs Triebwagen und die drei Beiwagen der Erstausstattung bestellte man bei der Waggonfabrik Weyer & Co. in Düsseldorf. Auf einem Grundstück hinter der Gastwirtschaft Möller in Sodingen – „Auf dem Rohde“ – wurde der Betriebshof der Bahn gebaut.

Am 14. Dezember 1906 wurde die Straßenbahnstrecke landespolizeilich abgenommen. Die Eröffnung und die Betriebsaufnahme wurden am 20. Dezember 1906 gefeiert.

Das Beitragsbild, eine 1921 gelaufene Postkarte aus dem Verlag Franz Fust in Börnig-Sodingen (Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt die Straßenbahnstrecke am Denkmal in Sodingen.

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