DURCH DIE STADT

Im Zusammenhang mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Zeit vom 3. November 1913 bis zum 28. Januar 1914 wurde die Endstelle in Castrop vom Bürgermeisteramt zur Emschertalbahn verschoben. Dafür entstand ein neues, eingleisiges Streckenstück in der Münsterstraße. Zugleich wurde ein Verbindungsgleis zur Linie Bochum – Gerthe – Castrop, der Stammstrecke der Westfälischen Straßenbahn GmbH, hergestellt.

Am Bahnhof Castrop lag die Endstelle der Westfälischen Straßenbahn jetzt auf der südlichen Seite des niveaugleichen Bahnübergangs der Emschertalbahn. Wir sehen sie hier auf der als Titelbild verwendeten, stark colorierten und deshalb unscharfen Postkarte aus dem Essener Verlag Gebrüder Moonen (Sammlung Ludwig Schönefeld).

Die nachfolgenden Ansichten dokumentieren den Betriebsalltag in Castrop nach der Eröffnung der neuen Endstelle an der Emschertalbahn. Das erste Motiv ist eine Ausschnittvergrößerung aus der vom Verlag Gebrüder Moonen in schwarz-weiß angebotenen Variante der Postkarte. Jetzt kann man sehr gut einen ehemaligen Triebwagen der Märkischen Straßenbahn auf dem Umsetzgleis erkennen.

  • Die Endstelle der Meterspurstraßenbahnen in Castrop vor der Emschertalbahn.
    Verlag Gebrüder Moonen, Essen - Sammlung Ludwig Schönefeld

DICHTES GLEISNETZ

Die nachfolgende Skizze illustriert den Streckenverlauf in Castrop nach der Weiterführung der Wittener Strecke bis zur Emschertalbahn. Darin enthalten sind auch die Strecken der 1909 eröffneten Verbindung nach Gerthe und Bochum, der seit 1910 existierenden Verbindung nach Sodingen und Herne sowie der Dortmunder Landkreisbahn.

Die Strecke der ehemaligen Bochum-Castroper Straßenbahn ist in grün angelegt. Die Strecke der Märkischen Straßenbahn sehen wir als ockerfarbene Linie. In Magenta wird das Gleis der Straßenbahn Herne – Sodingen – Castrop dargestellt, in violett die Strecke der Elektrischen Strassenbahnen des Landkreises Dortmund.

Die blaue Linie ist das von der Westfälischen Straßenbahn gebaute Verbindungsgleis mit dem Gleisdreieck und der Endstelle an der Emschertalbahn. Grundlage der Skizze ist ein in den 1920er-Jahren aufgenommenes Luftbild (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).

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ENGE KURVEN IM VATIKAN

Besonders eng und gefährlich war die Gleisführung im Castroper „Vatikan“. Das Viertel an der Ecke von Wittener Straße und Biesenkamp war nach der dort ansässigen, Gastwirtschaft der Familie Brüggemann benannt. Da hier neben den Juristen des Amtsgerichts bevorzugt auch die Castroper Geistlichen verkehrten, gab der Volksmund der Gaststätte den Namen „Vatikan“. Die katholische Stadtkirche St. Lambertus und die benachbarte evangelische Lutherkirche befanden sich in unmittelbarer Nähe.

Die nachfolgende Bildfolge zeigt das Viertel zur Zeit des Straßenbahnverkehrs und im Zustand der 1960er-Jahre. Bemerkenswert ist insbesondere das dritte Bild des Sliders. Es zeigt einen vom Biesenkamp in die Wittener Straße abbiegenden Straßenbahnwagen Anfang der 1920er-Jahre. Es handelt sich dabei um einen der zwei von der Straßenbahn Herne – Sodingen – Castrop übernommen und zuvor bevorzugt im Güterverkehr eingesetzten Weyer-Triebwagen 17 und 18. Im Wagenpark der Westfälischen Straßenbahn GmbH waren sie Einzelstücke.

  • Der Marktplatz in Castrop-Rauxel auf einer Postkarte von 1923.
    Hinter dem Reiterbrunnen lagen die Gleise der Straßenbahn nach Witten.
    Edition I.W.B. - Sammlung Ludwig Schönefeld