GROSSRAUMWAGEN

In der Anfangszeit setzte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG als Ersatz für die Straßenbahn auf den Omnibuslinien 78 und 79 die von Büssing in Braunschweig gelieferten Omnibusse der Typen 5000 TU und 6000 TU ein. Sie wurden in den Jahren 1950 bis 1952 beschafft.

Die Aufbauten für die Fahrzeuge hatte die Firma Nikolaus Trutz geliefert. Das 1871 als Kutschenfabrik in Coburg gegründete Unternehmen existierte bis 1958. Zuletzt beschäftigte die Firma rund 450 Mitarbeitende und baute Aufbauten für Omnibusfahrgestelle von Büssing, Henschel und MAN.

Im Frühjahr 1963 präsentierte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG den Fahrgästen in Castrop-Rauxel, Bochum-Langendreer und Werne eine Innovation: Den „Großraum-Gelenkwagen“.

Die Bezeichnung hatte man analog zu den im Straßenbahnbetrieb seit 1952 eingesetzten vierachsigen Großraumwagen gewählt. Sie stand für Innovation und Modernität im öffentlichen Personennahverkehr. Die Aufbauten der 16 Meter langen Fahrzeuge hatte die Düsseldorfer Waggonfabrik (Düwag) für ein Büssing-Omnibusfahrwerk mit einachsigem Nachläufer entwickelt.

Wesentliche Gestaltungselemente wie das Gelenkportal oder die elektrischen Falttüren basierten auf Konstruktionen aus dem Serienbau der Düwag-Straßenbahnwagen für den Ein- und Zweirichtungsbetrieb. Darüber hinaus war die Verwandtschaft zu den Straßenbahnwagen der 1960er-Jahre auch an vielen Details zu erkennen: So stammten auch Spiegel, Schweinwerfer und die Kontaktschwellen im Türbereich aus dem Bau von Schienenfahrzeugen. Letztere signalisierten dem Fahrer, dass sich ein Fahrgast auf der Trittstufe befand: eine wichtige Voraussetzung für die spätere Einführung von schaffnerlosen Wagen.

Den Prototyp des Düwag-Gelenkbusses mit der Nummer 251 hatte die BOGESTRA bereits 1960 erhalten. In den folgenden Jahren beschaffte das Unternehmen in mehreren Serien 39 weitere Düwag-Gelenkbusse: Die ab 1960 gelieferte erste Serie (Wagen 252 bis 264) hatte die Typenbezeichnung DG II BU 11. Für die 1962 gelieferten zweite Serie (Wagen 277 bis 282) wurde bereits die Typenbezeichnung GB S 165 U 11 verwendet. 1964 folgten die dritte Serie (Wagen 283 bis 289), 1965 die vierte Serie (Wagen 290 bis 292) und schließlich 1966 die fünfte Serie (Wagen 1 bis 10).

Der im Omnibus-Betriebshof Witten stationierte Wagen 279 war der erste auf der Linie 78 eingesetzte Gelenkbus. Helmut Orwat fotografierte ihn am 11. September 1962 am Omnibusbahnhof. Der entsprechende Artikel erschien am folgenden Tag im Castroper Lokalteil der „Ruhr Nachrichten“.

Anders als im Zeitungsartikel in Aussicht gestellt, verkehrten die „Großraum-Gelenkbusse“ nur für kurze Zeit zwischen Castrop-Rauxel und Witten. Ihre Kapazität von 185 Fahrgästen wurde auf anderen Linien besser ausgenutzt.

Die zuletzt gelieferten Düwag-Gelenkbusse mit den Nummern 1 bis 10 waren bis zum Januar 1976 in Bochum im Einsatz, vor allem auf den Linien 45 und 55 zwischen Langendreer und Oberdahlhausen. Wagen 10 überlebte bis 1978 bei einem privaten Omnibusunternehmer in Bochum-Wattenscheid. Danach wurde er an das Straßenbahnmuseum Hannover abgegeben, wo er noch einige Jahre vorhanden war. Der Omnibus mit der Nummer 1 wurde nach seiner Ausmusterung zu einem Geräte- und Abschleppwagen umgebaut. Als Arbeitswagen 660 war er noch rund zehn weitere Jahre im Einsatz. Der im Beitragsbild gezeigte Wagen 279 wurde am 22. April 1975 abgemeldet.

Bis heute setzt die BOGESTRA auf ihren stark frequentierten Omnibuslinien Gelenkwagen ein. Anders als in der Anfangszeit der Gelenkomnibusse wird bei Ihnen nicht mehr die mittlere Achse sondern die Achse im Fahrzeugheck angetrieben. Die Gelenke werden heute hydraulisch geführt. Auf diese Weise knicken die modernen Nachfolger der Düwag-Busse auch im harten Alltagsbetrieb nicht ein.

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