DIE ERSTEN JAHRE

Betriebsmittelpunkt des Castroper Netzes der Landkreisbahn war der nördlich des heutigen Engelsburgplatzes an der Bahnhofstraße eingerichtete Betriebshof.

Die Anlage hatte anfangs fünf Hallengleise. Vier weitere Stände wurden als Werkstatt genutzt. Hinzu kamen zwei weitere Gleise im Freigelände.

Im Laufe der Zeit wurde der Betriebshof mehrfach erweitert: In den 1930er-Jahren wurde die Kapazität durch verschiedene Anbauten und einer Vergrößerung der Hallenfläche erhöht. Ein weiterer Ausbau erfolgte Anfang der 1950er-Jahre, ein dritter im Zusammenhang mit dem Umbau zum Omnibusbetriebshof.

Zur Anfangsausstattung des Betriebes gehörten acht, von der Waggonfabrik van der Zypen & Charlier in Köln gelieferte Straßenbahnwagen für den Personenverkehr (Triebwagen 156 bis 163), ein Salzwagen und ein Montagewagen.

Ein in Castrop stationierter Schienensprengwagen war dafür vorgesehen, an trockenen Tagen zur Vermeidung übermäßigen Staubentwicklung den Gleiskörper feucht zu halten.

NACH FROHLINDE

Beim Bau der Strecken wurde das Betriebshofgelände als Baulager genutzt. Die Gleise der ersten Strecke führten in Richtung Dortmund zur Zeche Graf Schwerin bis Frohlinde. Die Postkarte zeigt die Zeche 1923 von der Frohlinder Straße (Verlag Hermann Lorch, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld).

Über die Engelsburgstraße erreichte die Straßenbahn die obere Münsterstraße. Auf diesem Teilstück wurde die eingleisige Strecke in der Straßenmitte verlegt.

Unmittelbar vor dem Bahnübergang der Emschertalbahn wechselte das Gleis über eine 90-Grad-Kurve auf die südliche Seite der Thomasstraße. Hier entstand nach dem Zweiten Weltkrieg ein überdachter Bahnsteig für die Fahrgäste der Straßenbahn.

Dem Verlauf der Emschertalbahn im langgezogenen Bogen der Thomasstraße folgend erreichte die Straßenbahn die Dortmunder Straße und die Ausweiche „Goldschmiedling“. Über den Schweriner Berg ging es weiter bis zur Stadtgrenze. Auf diesem Streckenabschnitt gab es Ausweichen an der Zeche Graf Schwerin und in Frohlinde.

Die als Beitragsbild verwendete Postkarte von 1915 zeigt einen Straßenbahnwagen auf der Thomasstraße während der Fahrt nach Dortmund (Verlag Franz Lambertz, Castrop – Sammlung Ludwig Schönefeld). Auf der nachfolgenden Ansicht von Castrop ist im Vordergrund die von der Thomasstraße abzweigende Brücke über die Emschertalbahn zu erkennen. Ganz am unteren Rand sehen wir noch einige Meter der Straßenbahntrasse, die in der Thomasstraße neben dem Fahrweg als Schwellengleis auf eigenem Bahnkörper angelegt worden war.

NACH HABINGHORST UND ICKERN

Der 1910 gebaute nördliche Streckenast führte von der Ausweichstelle am Betriebshof über die Bahnhofstraße bis zum Bahnhof Rauxel. Auch auf diesem Abschnitt lag das Gleis zumeist in der Straßenmitte. Ausweichen befanden sich in Höhe der Einmündung der Maslingstraße und am Bahnhof Rauxel.

Auf dem Abschnitt nach Habinghorst und Ickern nutzte die Landkreisbahn die damalige Kaiserstraße (heute Wartburgstraße), die Kronprinzenstraße (später unter anderem Castroper Straße und heute Lange Straße), die Ickerner Dorfstraße (später Königstraße und heute Ickerner Straße), die Uferstraße und auf dem letzten Teilstück die Leveringhauser Straße. Ausweichen gab es in Höhe der Teerverwertung, an der Post in Habinghorst, in Höhe der Einmündung der Heinestraße und am Streckenende in Ickern.

Das folgende Postkartenmotiv entstand Anfang der 1920er-Jahre (Verlag Wilhelm Hoevener, Ickern – Sammlung Ludwig Schönefeld). Es zeigt den Kaiserplatz an einem Markttag. Fast scheint es, die Straßenbahn führe zufällig durch das Bild. Vielleicht wollte der Fotograf aber auch vermitteln, dass der Bergbauort Ickern auch über eine moderne Nahverkehrs-Anbindung verfügte.

NACH HENRICHENBURG

Die Strecke nach Henrichenburg zweigte hinter der Ausweiche an der Habinghauser Post (Lange Straße) in die Habinghorster Straße ab. Über die heutige Henrichenburger Straße wurde schließlich die Endstelle an der damaligen Dortmunder Straße (heute Freiheitstraße) in Henrichenburg erreicht.

Das nachfolgende, 1923 aufgenommene Postkartenmotiv aus dem Dortmunder Verlag Hermann Lorch (Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt den Abzweig nach Henrichenburg in Habinghorst. Die Lange Straße hieß damals noch Kronprinzenstraße.

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