ABSCHIED VON DER 27

Trotz der erheblichen Zerstörungen in den Innenstädten konnte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG den Verkehr auf den ländlichen Streckenteilen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg relativ schnell wieder aufnehmen – auch auf der Strecke von Witten nach Castrop.

Sobald in der Wittener Innenstadt die Durchfahrt wieder möglich war, war die Linie 27 wieder unterwegs – anfangs auf der Relation Bommern Denkmal – Witten – Langendreer – Castrop.

Nach 1945 kam es mehrfach zu kurzfristigen Änderungen der Linienwege. Im Sommerfahrplan 1949 teilte sich die Linie 27 ihre Stammstrecke mit der zuvor in Langendreer wieder in Betrieb gegangenen Linie 22:

Die Linie 27 fuhr in diesem Jahr vom Wittener Hauptbahnhof zum Bahnhof Langendreer-Nord, die Linie 22 verband den Alten Bahnhof in Langendreer (Kaisersteg) mit der Endstelle in Castrop.

„Hamsterfahrten“ aus der Stadt zu den im Streckenverlauf liegenden Bauernhöfen ließen die Fahrgastzahlen Ende der 1940er-Jahre steigen. 1950 kehrte deshalb die Linie 27 wieder auf die Gesamtstrecke von Witten nach Castrop zurück. Die Linie 22 zwischen Langendreer Denkmal und Castrop parallel und verdichtete den Takt.

SCHLECHTER ZUSTAND

Aufgrund des relativ schlechten Zustands der Gleise und der Oberleitung und des absehbaren Erneuerungsbedarfs war nach Berechnungen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG ein langfristiger Fortbestand der Straßenbahnverbindung nicht wirtschaftlich, insbesondere im Vergleich zu den Anschaffungs- und Betriebskosten von Omnibussen.

Bereits zum Fahrplanwechsel 1951, am 31. Mai 1951 wurde die Linie 22 stillgelegt. Vom 1. Juni 1951 an wurde sie durch Omnibusse ersetzt. Das nachfolgende, im Mai 1951 von Günther Karkoska aufgenommene Bild aus dem Stadtarchiv Castrop-Rauxel entstand vermutlich wenige Tage vor dem Abschied am Castroper Marktplatz.

UMSTELLUNG AUF OMNIBUSSE

In der Aufsichtsratssitzung vom 24. Juli 1951 fiel die Entscheidung, den Straßenbahnbetrieb zwischen Crengeldanz und Castrop ganz zu beenden.

Am 1. Dezember 1951 fuhr zum letzten Mal ein Straßenbahnwagen auf der „27“ von Witten nach Castrop.

Der Geschäftsbericht der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG für die Jahre 1951 und 1952 kommentierte die Einstellung wie folgt: „Im Laufe des Jahres 1951 wurden die Straßenbahnlinien Castrop-Rauxel – Langendreer – Witten und Bochum-Grumme – Wohlfahrtstraße auf Omnibusbetrieb umgestellt. Für Erneuerung der Gleis- und Fahrleitungsanlagen dieser Linien … wären zur Weiterführung des Straßenbahnbetriebes erhebliche Mittel aufzuwenden gewesen. Die Schwierigkeiten, diese Mittel zu beschaffen, und der geringe Kapitalbedarf für Omnibusse waren entscheidend für die Umstellung.“

Das Titelbild dieses Kapitels aus der BOGESTRA-Fotosammlung zeigt die letzte Fahrt der Linie 27. Sie führte nur noch zum Bahnhof Langendreer, den letzten von Castrop kommenden Wagen hatte man vermutlich „sang- und klanglos“ nach Witten fahren lassen.

Triebwagen 45 wurde, einem Brauch der Jäger folgend, mit einem Tannenzweig geschmückt. Die Tafel, die auf den besonderen Anlass hinweisen sollte, wurde später für die Veröffentlichung in den Betriebsmitteilungen der BOGESTRA ergänzt.

ABBAU DER GLEISE

Bereits im Verlauf des Jahres 1952 wurden die ersten Gleise zwischen Castrop, Lütgendortmund und Langendreer entfernt. Das Gleisdreieck am Bahnhof Langendreer wurde im September 1952 ausgebaut.

Der Marktplatz in Castrop-Rauxel verlor nach der Einstellung der Straßenbahn sein Flair. Nachdem die Menschen nun zunehmend mit dem eigenen Auto in die Stadt kamen, wurde Parkraum gebraucht. So stand Castrops 1912 errichteter Reiterbrunnen 1969 recht verlassen zwischen zeittypischen Automobilen. Dort, wo links der Lastwagen unterwegs ist fuhr bis 1951 die Straßenbahn in Richtung Witten. Im Hintergrund sehen wir die Häuser am Biesenkamp und den Turm der Lutherkirche.

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Wenn Sie sich für den Bochumer und Wittener Abschnitt der Linien 22 und 27 interessieren, besuchen Sie bitte meine Website „Zwischen Ruhr und Emscher“.